Statement eines Gemeindevertreter aus Casekow zur Petition rund um die Bahnstrecke Berlin – Stettin

Nach Bekannt werden der Pläne die Haltepunkte Schönow und Petershagen zu schließen ist bekanntlich eine intensive Diskussion im Gange. Es wurde eine Online Petition geschalten die sich dagegen ausspricht. Wir möchten hier das Statement des aktuellen Ortsvorsteher des Dorfes Casekow veröffentlichen.


Ist es richtig, jede Petition dagegen zu unterstützen, auch wenn ich nur eine Seite der Medaille kenne? 

Ich bin Tino Kisicki, Stellvertretender Bürgermeister und Gemeindevertreter der Gemeinde Casekow. Auch ich habe für die Konzentration auf einen Bahnhalt in der Gemeinde Casekow gestimmt. Ich habe mir die Petition, welche heute in meinem Whats App war, durchgelesen und möchte kurz darauf antworten, weil ich glaube, dass viele diese Petition aus falschen Gründen unterstützen werden. Folgendes wird gefordert

Klimaschutz voranbringen: Nur mit dem massiven Ausbau des Schienenverkehrs wird Deutschland seine Klimaschutzziele erreichen. Darüber besteht mittlerweile ein parteiübergreifender Konsens. 

Dieser Meinung schließe ich mich an und auch aus diesem Grund, habe ich für die Schließung gestimmt. Durch die Schließung der nur 4 km entfernten Bahnhöfe ist die Wahrscheinlichkeit für Casekow viel größer einen Regionalexpresshalt und nicht nur einen Regionalbahnhalt zu bekommen. Mit einem Regionalexpress bin ich ohne Umstieg in weniger als 60 min in Berlin. Dann wird Bahnfahren für viele Casekower und Nachbarn und auch für mich wieder interessant. Mit der Regionalbahn wird der Umstieg in Angermünde bleiben. Es ändert sich also nichts, außer das die Bahn einmal öfter durchfährt. 

Verkehrswende realisieren: Um die Klimaschutzziele zu erreichen, muss eine echte Verkehrswende her. Damit Verkehr von der Straße auf die Schiene geleitet werden kann, muss ein dichtes und engmaschiges Schienennetz geschaffen werden. Die Schließung von Bahnhöfen und die damit einhergehende Verschlechterung des Angebots, ist darauf nicht die richtige Antwort

Es ist aus meiner Sicht die richtige Antwort, denn täglich sind hunderte Kleinbusse von Stettin nach Berlin und auch zurück auf der A11 unterwegs. Follow me hat jeder schon mal auf der A11 getroffen. Wenn die Strecke Stettin Berlin eine reine Regionalexpress Strecke wird, wird diese für die momentan noch mit Bussen und Pkws Reisenden viel interessanter. 

Perspektiven für die zukünftige wirtschaftlichen Entwicklung schaffen: Durch den Ausbau der Strecke rückt die Region näher an die Ballungszenten Berlin und Stettin und wird für Pendler interessant. Dies wird die zunehmende Verarmung und Überalterung der Region stoppen und kann sie potentiell rückgängig machen.


Ich denke das wird nur passieren, wenn wir eine zügige Verbindung haben. Wenn wir genauso lange wie vorher nach Berlin benötigen, sind wir nicht näher dran. Im Gegenteil, der jahrelange Kampf um einen Ausbau der Strecke wird für unsere Region umsonst gewesen sein. Es wird sich nichts ändern

Menschen im ländlichen Raum benötigen einen Bestandschutz im ÖPNV und einen gut funktionierenden Anschluss an die Metropolen. – Eine Anbindung an den Regionalverkehr ermöglicht den Weg zum Arbeitsplatz, zu Ärzten und Krankenhäusern sowie zu kulturellen Einrichtungen und zum Einkaufen für Menschen, die kein Auto haben.


Der ÖPNV mit Bussen muss durch mehr Bahnhalts sowieso ausgebaut werden. Und wenn der Bus von Blumberg, Wartin, Woltersdorf, Biesendalshof Luckow usw. sowieso zum Bahnhof muss, ist Petershagen doch nicht weiter weg. Ich denke, wir sollten uns lieber gemeinsam stark machen, für ein vernünftig ausgebauten Buslinienverkehr innerhalb und außerhalb unserer Gemeinde, natürlich angepasst an den Fahrplan der Bahn. 

Regionen und Orte, die vor 20-30 Jahren ihre Regionalbahnstrecken stillgelegt haben, bedauern dies heute mit dem Blick auf jene Orte, die noch einen Bahnanschluss haben: denn dort boomt die Wirtschaft, Firmen siedeln sich leichter an, und die Strecken werden in neue S-Bahn-Konzepte der Regionalzentren eingebunden. 


Laut dieser Aussage müssten alle Orte, welche jetzt einen Bahnhalt haben auch an der Strecke Angermünde – Stettin, sie müssten boomen. Leider ist dies nicht so. Ich hoffe jedoch auf Wachstum für unsere gesamte Gemeinde, durch den Ausbau der Bahn. Jedoch wird das nur funktionieren, wenn sich Vorteile für unsere Gemeinde dadurch ergeben. In mehr Regionalbahnen sehe ich leider keinen Vorteil für unsere Gemeinde. Ein S Bahn Konzept wäre etwas tolles, könnte jedoch nur aus Richtung Stettin in unserer Region funktionieren. 

Eine Stilllegung der Haltepunkte würde den Steuerzahler mittel- und langfristig also teurer kommen, da dauerhaft Strukturhilfen für eine abhängte Ost-Uckermark nötig wären.


Meiner Meinung nach, wird eine schnelle Verbindung nach Berlin und Stettin die Region für alle attraktiver machen und wir werden dadurch vielleicht sogar wachsen. 

Grundversorgung auch im ländlichen Bereich — und dadurch dessen Entwicklung sichern:- Der öffentliche Nahverkehr ist Teil des öffentlichen Verkehrs im Rahmen der Grundversorgung. Werden die Bahnhöfe geschlossen, werden nicht nur die betroffenen Dörfer, sondern auch die Nachbargemeinden von der wirtschaftlichen Entwicklung abgehängt; diese Gemeinden drohen zu veröden!- Es geht dabei nicht darum, Bahnhöfe zu schließen, sondern darum, die Verbindungen zu den bereits an das Bahnnetz angeschlossenen Orte so attraktiv zu machen, dass wieder mehr Fahrgäste mit der Bahn fahren. Auch für die nachwachsenden Generationen ist ein Standort nur attraktiv, wenn es eine Bahn-Anbindung an Schulen, Krankenhäuser, Einkaufsmöglichkeiten usw. gibt. 


Aus meiner Sicht muß es keine “Bahn” Anbindung an Schulen, Krankenhäuser, Einkaufsmöglichkeiten usw geben. Diese gab es hier noch nie und wird es durch den Erhalt des Bahnhaltes in Petershagen auch nicht geben. Es muss ANBINDUNGEN geben. Diese sind wichtig. Andere Ortsteile der Gemeinde Casekow, haben schon seit über 75 Jahren kein Bahnhalt mehr und sind trotzdem nicht verödet. Unser Ziel muss es sein die Gemeinde mit einem vernünftig geplanten ÖPVN in Zusammenarbeit mit der UVG zu verbinden, und nicht durch Interessen Einzelner zu teilen. 

Fremdenverkehr fördern:- Immer mehr Großstädter verzichten auf das Auto. Nur die Gemeinden, die über einen Anschluss an das Schienennetz verfügen, werden in Zukunft Chancen haben, Touristen und Gäste zu empfangen.- Der Tourismus ist in der Uckermark ein wichtiger Wirtschaftszweig, der in den letzten Jahren mehr Wachstum verzeichnet hat als der Durchschnitt. Damit diese positive Entwicklung anhält, muss der Schienenverkehr ausbaut werden!- Eine fehlende Regionalbahnanbindung verhindert jegliche Entwicklung von Klein- und Kleinstbetrieben, die sich im und um den Sektor Fremdenverkehr bereits angesiedelt haben.- Der geplante Ausbau der Strecke muss sich auch für Schönow, Petershagen und deren Nachbargemeinden lohnen, damit sie nicht von dieser positiven Entwicklung ausgeschlossen werden!

Es ist richtig… Es muss sich für die gesamte Gemeinde und auch deren Nachbarn lohnen und nicht nur für die Interessen eines Einzelnen in Petershagen.Ich habe seit der Abstimmung mich mit Petershagener unterhalten, welche täglich die Bahn nutzen. Jedoch benutzen sie grundsätzlich den Bahnhof in Casekow. Auf meine Nachfrage erklärten sie mir, das es für sie bequemer sei in der Dorfmitte in Petershagen in den Bus zu steigen und in Casekow direkt am Bahnhof wieder auszusteigen, als 500 Meter in Petershagen bei Wind und Wetter zum Bahnhof zu laufen. Auch dieses bestätigte mich in meiner Entscheidung. Es gibt bereits sehr tolle touristische Ziele in Ortsteilen der Gemeinde, welche ebenfalls keinen Bahnhalt haben und trotzdem über den Casekower Bahnhof schon sehr hoch frequentiert sind und ich hoffe und wünsche diesen und allen touristischen Unternehmen in Casekow und Umgebung, das eine schnellere Verbindung nach Stettin und Berlin Ihnen den Erhalt stärkt und Wachstum bringt. 


Ich möchte hiermit alle bitten, nicht einfach irgend eine Petition zu unterstützen, sondern sich wirklich damit zu beschäftigen und dann für sich zu entscheiden, ob die Mehrheit der Casekower Gemeindevertreter vielleicht nicht doch im Interesse aller Einwohner von Casekow gehandelt hat.Ich sehe in dieser Entscheidung jedenfalls eine Bereicherung für die gesamte Gemeinde Casekow und die gesamte Region.